Copy
Meine hochwohllöblichen Damen und Herren

Es gibt Worte, die gibt es gar nicht. Oder zumindest nicht mehr. Denn früher war, wie wir wissen, alles anders. Auch die Sprache. Man schwafelte von Kordialität und meinte Herzlichkeit, laberte und schwadronierte kreuz und quer durch die Gegend, und es wurde gesülzt und geschwurbelt, was das Zeug hielt. Also eigentlich wie heute. Aber eben nur fast. Denn was ist eine einzelne Phrase schon gegen ein Emoji, das sich seinen Weg durch das World Wide Web bahnt? Nicht viel mehr als eine Erinnerung, die langsam verblasst. Oder etwa doch nicht? Finden Sie 's heraus.


Viel Spass
Martin Stehli

 
Willkommen im Club der toten Worte.
3/2016
 

Vorführdame kriegt Maulschelle.

Die Modewelt schreit auf: Chefdesigner X ohrfeigt sein Model Y. Jetzt fragen Sie sich: War's Giorgio Armani oder Karl Lagerfeld? Und wer könnte Y sein? Vermutlich Heidi Klum. Aber darum geht's zum Glück gar nicht. Sondern um die Vorführdame, die heute Model heisst. Und die Ohrfeige, die früher Maulschelle hiess. Und die vielen anderen Wörter, die im Lauf der letzten Jahrzehnte zu Grabe getragen wurden. Höchste Zeit für einen Nachruf. Mit Ihnen als Testpublikum. 
 


Begriffe, die keine(r) mehr kennt.
Ausser Ihnen.

Wenn die Muhme mit dem Eidam müllert, bedeutet das nicht viel mehr,
als dass die Tante mit dem Onkel etwas Gymnastik betreibt.
Und wenn der Mitgiftjäger den Backfisch inkommodiert, heisst das im Klartext,
dass der Heiratsschwindler wieder einmal auf Beutefang ist.
Tja, und so hat jede Zeit ihre Sprache. Der brauseköpfige junge Mann
ist heute ein testosterongesteuerter Teenager, und der schwerreiche
Grosskaufmann war gestern ein alter Pfeffersack.
Aber das ist bei weitem nicht alles.
Denn die deutsche Sprache hat noch viel mehr zu bieten:

Haderkatze
Zänkische Frau

Wildschur
Schwerer Herrenpelzmantel

Stehkragenprolet
Arbeiter, der sich aufgrund seines Aufstiegs als Angestellter
über seine Standesgenossen erhebt

Tochtermann
Schwiegersohn

scharmutzieren
flirten

radotieren
faseln, ungehemmt schwatzen


Jahrweiser.
Kalender anno dazumal
 
Schon Emil hat versucht, uns das Jahr zu erklären.
War im Januar noch alles steif und starr,
ging's im März mit dem Jahr (endlich) vorwärts.
Früher wären solche Reime noch nicht möglich gewesen.
Denn damals hiessen die Monate ganz anders.

Zum Beispiel so:

Eismond
Hartung
Lenzing
Wandelmond
Weidemonat
Sommermond
Heumonat
Ernting
Scheiding
Weinmond
Nebelmond
Hartmonat


Oder so:

 Schneemond

Hartung
Lenzmond
Ostermonat
Wonnemond

Sommermonat
Heumond
Erntemond
Herbstmonat
Weinmonat
Nebelung
Christmond

 

Sprachquiz.
 
1. Wofür steht der Begriff 'Siedlerstolz'?

A: ein mit eigenen Händen gebautes Haus
B: selbst gezogenen Tabak
C: in der neuen Heimat erwirtschafteten Reichtum

2. Was ist ein Karnickelschein?

A: Ausweis für kinderreiche Familien bei der Deutschen Bahn
B: Rezept für kassenpflichtige Medikamente zur Behandlung von Tripper 
C: Zutrittsberechtigung in mittelalterliches Bordell

3. Ein Höllenbraten ist ...

A: ein höllisch scharfer Chili-Rindsbraten
B: ein Pfundskerl mit teuflischem Charisma 
C: ein böser Mensch als Ausgeburt der Hölle

4. Was ist ein Gleisner?

A: ein Heuchler
B: ein Blender
C: ein Bahnarbeiter

5. Was bezeichnet die Eiermühle?

A: den Omeletten-Mixer
B: die Welle am Reck
C: die Hühnerfutter-Fabrik

6. Wofür steht die Arbeiterforelle?

A: ein leichtes Mädchen
B: eine Schuppenerkrankung 
C: einen gesalzenen Hering


Auflösung siehe unten

Schlusswort.
Es war einmal ein Hagestolz, der sich ziemlich kauzig benahm.
Als eingefleischter Junggeselle in fortgeschrittenem Alter fiel er auf
durch seinen ausgeprägten Hang zur Verschrobenheit, und wer ihn kannte,
bezeichnete ihn als Eigenbrötler und Sonderling.
Mit dem heutigen Single hatte er wenig zu tun.
Denn der Hagestolz war zwar ebenfalls alleinstehend und somit unabhängig,
aber auf seine ganz eigenwillige Weise.
Und er war auch keine städtische Erscheinung, sondern ein Phänomen des Landes.
Denn der "Hag", der ihm seinen Namen gab, ist nichts anderes als ein Bauernhof,
der viel zu klein ist, um eine ganze Familie zu ernähren ...
 
Lösungen: 1B, 2A, 3C, 4A, 5B, 6C
Weitere Newsletter können Sie gerne über folgende Links abonnieren: Viel Spass!

Möchten Sie meinen Newsletter nicht mehr erhalten? Einfach unten "Abmelden" anklicken  ;=(( 

Martin Stehli

Claridenstrasse 5
CH-8800 Thalwil
Telefon  +41 44 722 33 90
Mobile    +41 79 290 17 25
 
 
Copyright © 2016 STEHLI IDEE UND WORT

Abmelden    Profil aktualisieren

 






This email was sent to <<E-Mail-Adresse>>
why did I get this?    unsubscribe from this list    update subscription preferences
STEHLI IDEE & WORT · Claridenstrasse 5 · Thalwil 8800 · Switzerland

Email Marketing Powered by MailChimp