Kennen Sie die 3 Minuten-Regel? 
Wenn man eine neue Spieltechnik – z. B. Vibrato, Spiccato, Sautillé oder dergleichen – auf dem Instrument erlernt, braucht man erst einmal viele Wiederholungen, bis man diese Spieltechnik geschmeidig beherrscht. Besonders junge Kinder denken aber oft, sie müssten die neue Technik bereits nach der ersten Übe-Session perfekt beherrschen, und sind dann enttäuscht, wenn dem nicht so ist. Diese Enttäuschung wirkt sich natürlich nicht besonders förderlich aus auf die weitere Übe-Bereitschaft. Deshalb ist es wichtig, den jungen Instrumentalisten und Instrumentalistinnen auch klar zu kommunizieren, dass regelmäßiges Üben unerlässlich ist, um eine neue Spieltechnik zu erlernen, und dass man nicht erwarten kann, diese Technik sofort umsetzen zu können.
Hier kommt die 3 Minuten-Regel ins Spiel. Kinder wissen oft nicht, wie viel, bzw. wie lange sie nun diese neue Sache wirklich üben sollen. Da man mit einer neuen Spieltechnik meist auch etwas andere bzw. anders modifizierte Bewegungen als bisher ausführt, sind zum Teil auch andere Muskeln und Muskelgruppen involviert. Um ein „Übertrainieren“ und ein Überstrapazieren dieser Muskeln zu vermeiden, sollte diese Technik kurz, aber immer wieder geübt werden. Maximal 3 Minuten am Stück. Lieber etwas später noch einmal 3 Minuten. Man kann natürlich mehrmals innerhalb einer Übe-Session so eine 3 Minuten-Einheit einschieben, aber mindestens 3 Minuten pro Session für eine neue Fertigkeit sollten es schon sein. So baut man sich – neben dem Repertoire-Spiel – konsequent eine gute Spieltechnik auf.
Teilt man sich also die Übe-Sessions in viele kleine 3 Minuten-Einheiten ein, bleibt das Üben einerseits kurzweilig und ist andrerseits auf längere Sicht sehr effizient! Mit dem Bewusstsein im Hintergrund, dass man nicht alles nach der ersten Übe-Session perfekt beherrschen muss, bleibt ein Gefühl von „Scheitern“ aus. Im Gegenteil: Man hat ein gutes Gefühl, weil man sein Tages-Übe-Pensum erledigt hat. Das entlastet sehr, sowohl das Kind als auch die Eltern als Übe-Begleiter! ANDREA HOLZER-RHOMBERG / Foto: privat
Weitere Texte von Holzer-Rhomberg finden Sie auf ihrer Website: Passion4StringTeaching
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